Das Ding mit der Laktoseintoleranz

Das Ding mit der Laktoseintoleranz

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Nun ist es bei mir schon ein Jahr her, als mein Arzt anhand eines Tests festgestellt hat, dass mein Körper das Verdauungsenzym Laktase nicht ausreichend produzieren kann. Diese Feststellung dauerte ganze 10 Jahre! Solange plagten mich regelmäßig Völlegefühl, Magenschmerzen und Übelkeit. Verrückt, wenn man bedenkt, dass ca. 75 % der Weltbevölkerung im Erwachsenenalter dieses Enzym fehlt. Trotz dieser Fakten gilt die Laktoseunverträglichkeit bei vielen noch als „Modekrankheit“ und wird oft unterschätzt. Dies haben wir auch der vielen Werbeslogans zu verdanken, die Milch als so gesundes Lebensmittel darstellen. Das macht mich ehrlich gesagt sehr wütend, denn die Symptome sind nicht immer zu unterschätzen.

Neben den häufigsten Symptomen wie Bauchkrämpfe, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen kann es nämlich auch zu Schwindelgefühl, chronischer Müdigkeit, inneren Unruhe bis hin zu depressiven Verstimmungen, Kopfschmerzen, Akne, Erschöpfung oder Schlafstörungen kommen.1 Eine Liste, die das Ganze wieder in ein ganz anderes Licht rückt, wie ich finde.

Laktoseintoleranz

Aber was ist eine Laktoseintoleranz eigentlich?

Wie bereits geschrieben, benötigt der Körper ein gewisses Enzym namens Laktase, um den Milchzucker zur Verdauung in Glukose und Galaktose zu spalten. Kann er das nicht, wird der Milchzucker, also die Laktose, im Dickdarm von Darmbakterien vergoren. Dies führt dann zur Bildung von Gasen, die die o. g. Symptome hervorrufen. Alle gesunden Neugeborenen bilden während der Stillzeit dieses Enzym. Im Zuge der Entwöhnung von der Muttermilch, sinkt diese Produktion und der Köper ist nicht mehr in der Lage, den Milchzucker selbstständig zu spalten. Da Menschen aber über Jahrtausende Milch konsumieren, hat sich bei manchen Menschen eine Mutation gebildet, die die Laktase Produktion auch im Erwachsenenalter ermöglicht.

Die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz leben in Asien und Afrika, hier sind ca. 80 bis fast 100 % der Bevölkerung betroffen. Wogegen in nördlichen Ländern die wenigsten Menschen mit einer Intoleranz leben, hier sind es z. B. in Schweden und Dänemark nur 2 bis 5 % der Bevölkerung. In Deutschland sind es übrigens 15 %, in Süditalien 52 % der Bevölkerung.2
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Dann trink halt keine Milch mehr… So einfach ist es leider nicht!

Als es dann klar war, dass mein Körper nicht ausreichend Laktase produziert, dachte ich mir: Halb so wild, trinkst ja eh nicht viel Milch und Käse magst du auch nicht. Der Verzicht fängt erst an leidig zu werden, wenn einem klar wird, auf was man denn tatsächlich alles verzichten muss. Einmal sind es die offensichtlichen Dinge wie Joghurt, Quark, Eis, Sahne, Schokolade, Nutella oder Kuchen. Erst später, wenn man sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt merkt man, dass es viel mehr Produkte gibt, in denen man den Milchzucker im ersten Moment gar nicht vermutet hätte. So findet man Laktose z. B. in Wurstwaren, Bouillons, Brote und Gewürzmischungen, um nur einen kleinen Bruchteil aufzuzählen.

Manchmal sage ich mir: Komm, es gibt schlimmeres! Der Verzicht ist aber echt schwer und so sündige ich doch ab und an und nehme die unangenehmen Folgen in Kauf. Gerade im Sommer, wenn man durch die Stadt schlendert und ein Eis essen möchte oder in einem Café sitzt und eine heiße Schokolade mit Sahne bestellt. Klar, ich könnte das alles auch laktosefrei bekommen oder Tabletten nehmen. Blöd bei mir ist jedoch, dass ich die zugesetzten Laktase-Enzyme ebenfalls nicht vertrage. So bleibt mir nur die Wahl zwischen dem Verzicht und der Inkaufnahme der Nebenwirkungen.
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Die Quintessenz!

Ich wollte mit diesem Beitrag kein Mitleid bekommen, denn es gibt wirklich schlimmeres. Aber ich finde es dennoch tragisch, dass diese Art der Unverträglichkeit nicht so ernst genommen wird. Vor allem finde ich es schlimm, dass die Lebensmittelindustrie so leichtsinnig damit umgeht. Denn wie bereits zu Beginn geschrieben sind die Symptome, die bei Menschen mit einer Laktoseintoleranz auftreten können, auf keinen Fall zu unterschätzen.

Bleibt gesund,
eure Graziella

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1 Quelle: Zentrum der Gesundheit
2 Quelle: Wikipedia

3 thoughts on “Das Ding mit der Laktoseintoleranz

  • 1. Oktober 2016 um 12:01
    Permalink

    Hallo Graziella,

    vielen Dank für deine Erfahrung! Ich vertrage auch seit einiger Zeit keine Milch mehr und finde auch, dass das Thema zu sehr runtergespielt wird. Und wenn man dann sagt, dass man Laktose nicht verträgt, werden die Augen verdreht, weil wie du ja auch schreibst viele denken es ist eine Modeerscheinung. Das mit der Wurst usw. wusste ich nicht. Danke für die Info.

    Liebe Grüße Luisa

    Antwort
  • 20. April 2017 um 9:34
    Permalink

    Ich habe meine Intoleranz durch einen einfachen Laktoseintoleranz Test für zu Hause herausgefunden. Mein Arzt spielte meine Symptome leider immer runter, da hab ich kurzerhand einfach selbst gehandelt. Und siehe da, seitdem ich auf Milchzucker verzichte, geht es mir erheblich besser!

    Antwort
    • 24. April 2017 um 12:18
      Permalink

      Hallo Marina,

      so ging es mir ja auch aber zum Glück hast du jetzt die Ursache gefunden.

      Alles Gute und ganz liebe Grüße,
      Graziella

      Antwort

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