Dinkel-Emmer-Brot mit Sonnenblumenkernen (ohne Hefe)

Dinkel-Emmer-Brot mit Sonnenblumenkernen (ohne Hefe)

Ihr Lieben, auch wenn es gerade stark den Anschein macht, wird das hier nicht zum reinen Brotback-Blog, keine Sorge! Heute aber möchte ich euch noch mal eins vorstellen: Mein Dinkel-Emmer-Brot mit Sonnenblumenkernen. Auch dieses Brot habe ich mit meinem »Lievito Madre« “Chiara” gebacken und auch dieses Brot war wieder richtig gut. Dabei habe ich das erste Mal ein Brot ganz nach Gefühl angesetzt, ohne vorher im Netz nachzulesen, ob es so funktionieren könnte. Nachdem ich bei meinem italienischen »Weizen-Landbrot« ewig getestet, probiert und optimiert hatte, ist dieses hier direkt beim ersten Mal gelungen. Ich bin so stolz und happy, dass ich direkt wieder in die Küche rennen und losbacken könnte.

Auch dieses Brot ist etwas zeitintensiv in der Herstellung. Es benötigt nämlich einige Dehn- und Faltvorgänge, weshalb man ca. 4 Stunden am Stück in der Nähe des Brotes sein sollte. Die einzelnen Schritte dauern zwar jeweils immer nur wenige Minuten, müssen aber genau eingehalten werden. Ich habe mal einen groben Zeitplan dazugeschrieben. Wenn ihr noch keinerlei Erfahrungen mit dem Brotbacken habt, solltet ihr die Uhrzeiten einfach mal so einhalten. Später könnt ihr das alles natürlich an euren Tagesablauf anpassen. Eine Alternative mit Hefe habe ich leider nicht für euch, da ich aktuell gar nicht mehr mit Hefe backe und das gar nicht einschätzen kann, wie sich der Teig mit industriell hergestellter Hefe, statt Lievito Madre verhält. Auch mit Roggensauerteig habe ich dieses Brot noch nicht gebacken. Wenn ihr hier Erfahrungen habt, gerne her damit, ich freue mich immer über einen Kommentar! Jetzt aber zum Dinkel-Emmer-Brot Rezept:

Gesamtzutaten (ca. 850 g Laib):
300 g Dinkelmehl, Typ 630
75 g Emmer-Vollkornmehl
Alternativ: Dinkel- oder Weizenvollkorn
100 g Weizenmehl Typ 550 (für den Lievito)

335 g lauwarmes Wasser
30 g Lievito Madre
70 g Sonnenblumenkerne
2 EL Sonnenblumenkerne zum Wenden
1 EL Salz

Außerdem:
Hohes Glasgefäß mit Deckel
saubere Schüssel
sauberer Löffel
Teigkarte
Gärkorb, 20 cm ∅
2 EL Reismehl
Klarsichtfolie
optional: Gusseiserner Topf, 22 cm ∅

Info:
In einem hohen Glasgefäß kann sich der Lievito Madre besser entwickeln. Außerdem ist die Oberfläche die austrocknen könnte geringer. Das Glas sollte aber so groß sein, dass es nach der Auffrischung nur zu etwa 30 Prozent gefüllt wird, da sich der Lievito verdoppeln oder gar verdreifachen kann.

Zubereitung:
Vorabend 21:00 Uhr:
Die 30 g Lievito Madre in eine Schüssel geben. Genau 15 g Wasser dazugeben und den Lievito darin auflösen bzw. schaumig aufschlagen. Anschließend 30 g Weizenmehl hinzufügen, sehr gründlich per Hand verkneten, in das Glas legen und mit dem Deckel verschließen. Über Nacht an einem warmen Ort (ideal sind für die komplette Zubereitung ca. 25 bis 30 Grad) stehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt oder gar verdreifacht hat.

Backtag 08:00 Uhr:
Den aufgefrischten Lievito (sollten 70 g sein) in eine Schüssel geben. Genau 35 g Wasser dazugeben und den Lievito darin auflösen bzw. schaumig aufschlagen. Anschließend 70 g Weizenmehl hinzufügen, sehr gründlich per Hand verkneten, in das Glas legen und mit dem Deckel verschließen. An einem warmen Ort ca. 3-4 Stunden stehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt oder gar verdreifacht hat.

Parallel 70 g Sonnenblumenkerne in eine Schüssel geben und mit 90 g lauwarmen Wasser aufgießen. Die Schüssel abdecken und stehen lassen.

Backtag 12:00 Uhr:
Nun die eingeweichten Sonnenblumenkerne samt der Restflüssigkeit, die 300 g Dinkelmehl, die 75 g Emmer-Vollkornmehl und 195 g lauwarmes Wasser in die Rührschüssel einer Küchenmaschine geben und kneten lassen, bis sich alles gerade so verbunden hat. Dann den Vorteig sowie das Salz dazugeben und in 10 Minuten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Die Schüssel mit der Klarsichtfolie abdecken und 30 Minuten an einem Warmen Ort ruhen lassen (ideal sind für die komplette Zubereitung ca. 25 bis 30 Grad).

Backtag 12:30 Uhr:
Der Teig muss jetzt 3x im Abstand von je 30 Minuten gedehnt und gefaltet werden. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Ich bevorzuge bei dem Dinkel-Emmer-Brot für die ersten beiden Dehnungen die Strech-and-Fold-Methode. Dazu Hände etwas anfeuchten und den Teig aus der Schüssel heraus von einer Seite nach oben ziehen und dann umklappen. Diesen Vorgang von jeder Seite wiederholen, insgesamt sind das ca. 4-5 Dehnungen. Den Teig anschließend wieder abdecken und 30 Minuten an einem warmen Ort ruhen lassen.

Zur Erklärung:
Das Dehnen und Falten verleiht Weizenteigen mehr Struktur. Dabei wird das Klebegerüst schonend stabilisiert, wodurch das Gashaltevermögen steigt, was wiederrum für eine offene Porung im Brot sorgt. Zudem dient es der Entgasung und Sauerstoffzufuhr sowie der Homogenisierung der Temperatur.

Backtag 13:00 Uhr:
Strech-and-Fold wie oben beschrieben wiederholen. Den Teig anschließend wieder abdecken und an einem warmen Ort 30 Minuten ruhen lassen.

Backtag 13:30 Uhr:
Für die dritte Dehnung bevorzuge ich die Coil-Fold-Methode. Das Prinzip ist dasselbe, die Technik eine etwas andere. Hierfür die Hände etwas anfeuchten und den Teig in der Mitte mit beiden Händen hochheben. Die Enden werden dabei gedehnt und wieder eingeklappt abgelegt. Die Schüssel drehen und das Ganze 3 Mal rundum wiederholen. Den Teig anschließend wieder abdecken und an einem warmen Ort 1,5 Stunden ruhen lassen.

Backtag 15:00 Uhr:
Nun folgt der Pre-Shape. Dafür etwas Dinkelmehl auf die Arbeitsplatte sieben und den Teig ganz vorsichtig aus der Schüssel heben. Den Teig mit Hilfe einer Teigkarte und den Händen vorsichtig rundwirken. Nun auf der Arbeitsplatte 30 Minuten entspannen lassen und die umgedrehte Schüssel darüberstülpen, damit der Teig vor Zugluft geschützt ist.

Backtag 15:30 Uhr:
Zum Schluss führen wir den Final Shape durch. Dazu die Arbeitsplatte erneut mit etwas Dinkelmehl besieben und den Teig umdrehen. Sehr vorsichtig etwas langziehen und die obere Seite nach unten klappen. Nun den Teig “flechten” und anschließend von unten nach oben zusammenrollen. Immer so vorsichtig, dass die Luftbläschen nicht kaputt gehen.

Das Gärkörbchen mit etwas Reismehl besieben. Dann den Teigling ganz leicht mit ganz wenig Wasser besprühen und in 2 EL Sonnenblumenkernen vorsichtig wälzen. Den Teigling mit Schluss nach oben in den Gärkorb legen und abgedeckt bei Zimmertemperatur ruhenlassen, bis er sich deutlich vergrößert hat.

Eine kurze Video-Anleitung zu den einzelnen Schritten vom Strech & Fold bis zum Final Shape findet ihr auf meinem Instagram Profil unter »BrotLatein« in den Highlights. Reinschauen lohnt sich, da es per Video einfacher zu erklären/verstehen ist.

Backtag 20:00 Uhr:
Alternativ gegen 20:00 Uhr abgedeckt in den Kühlschrank stellen und am nächsten Morgen zwischen 07:00 und 08:00 Uhr backen. Es gibt zwei Möglichkeiten, das Brot zu backen. Entweder in der Cocotte (Gusseiserner Topf) oder auf dem Blech.

Für das Backen auf dem Blech:
Ein Backblech mit ca. 125 ml Wasser in den Ofen geben und auf 220 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Sobald der Ofen warm ist, das Blech herausnehmen. Für den “Bread-Ear-Schnitt” mit der Hand vorsichtig das überschüssige Reismehl verteilen und mit dem Messer (mit einer Rasierklinge funktioniert es besser) von oben leicht seitlich eine Linie schneiden. Anschließend dieselbe Linie nochmals sehr schräg (das Messer im 45-Grad-Winkel halten) nachschneiden. Ein zweites Blech mit Backpapier auslegen und das Brot darauf geben. Blech in den Ofen schieben, ca. 10 Minuten backen und dann die Temperatur auf 210 Grad herunterdrehen. Das Dinkel-Emmer-Brot nun in weiteren ca. 35 Minuten fertigbacken.

Für das Backen in der Cocotte:
Backofen (Ober- und Unterhitze) inklusive Topf mit Deckel ca. 45 Minuten bei 250 Grad aufheizen. Für den “Bread-Ear-Schnitt” mit der Hand vorsichtig das überschüssige Reismehl verteilen und mit dem Messer (mit einer Rasierklinge funktioniert es besser) von oben leicht seitlich eine Linie schneiden. Anschließend dieselbe Linie nochmals sehr schräg (das Messer im 45-Grad-Winkel halten) nachschneiden. Nun den Topf aus dem Ofen holen ACHTUNG! SEHR HEISS! und das Dinkel-Emmer-Brot mit Backpapier hineinheben. Den Topf mit dem Deckel schließen und sofort in den Ofen schieben. Nun ca. 35 Minuten mit Deckel auf 250 Grad backen, dann die Temperatur auf 210 Grad herunterdrehen. Das Brot in weiteren ca. 10 Minuten backen.

Auf einem Gitterrost mindestens 2 Stunden auskühlen lassen und fertig ist das leckere Dinkel-Emmer-Brot mit Sonnenblumenkernen.

Wenn ihr am Abend backt, verliert das Brot über Nacht ganz leicht an “Knusprigkeit”. Um das Dinkel-Emmer-Brot am nächsten Morgen extra Kross zu bekommen, könnt ihr es schon vorher nur 30 Minuten statt der 35 Minuten im Topf mit Deckel backen (die 10 Minuten ohne Deckel bleiben gleich). Dann morgens den Ofen auf 250 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen und das Brot ganz sparsam mit etwas Wasser besprühen. Wirklich, wirklich nur gaaaanz wenig Wasser. Dann 10 Minuten auf dem Rost nachbacken lassen. Damit bekommt ihr eine Doppel-Kruste und das Brot hält länger frisch. Lecker ist es aber auch ohne das doppelte Backen.

Bitte backt meine Brote immer bei Ober- und Unterhitze. Bei Umluft wird es nicht gelingen. Aufbewahren könnt ihr das Brot den ersten Tag in einem sauberen Baumwollhandtuch. Ab dem zweiten Tag dann entweder in einem Bienenwachstuch, in einem Brottopf oder in einer Papiertüte im geschlossenen Backofen. Ich friere meine Brote auch ganz oft ein. Entweder im Ganzen, als halbes Laib oder bereits in Scheiben geschnitten. Die einzelnen Scheiben können entweder auf einem Kuchengitter oder auch in der Schnellvariante im Toaster aufgetaut werden. Bei einem ganzen Laib kann man das Brot in den kalten Ofen legen und diesen dann auf 200 Grad einschalten. Nun 12 Minuten aufbacken und anschließend auf einem Gitterrost wieder erkalten lassen. Dann ist es fast so frisch und knusprig wie am ersten Tag.

Ich hoffe, es war alles verständlich und wünsche euch ganz viel Spaß beim Backen. Neben diesem leckeren Dinkel-Emmer-Brot mit Sonnenblumenkernen solltet ihr unbedingt auch mal mein italienisches »Weizen-Landbrot« mit Lievito Madre oder das knusprige »Roggenmischbrot« mit Sauerteig ausprobieren. Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen habt bzw. Hilfe benötigt, meldet euch gerne bei mir. Ansonsten findet ihr, wie bereits erwähnt, weitere Tipps auf meinem Instagram-Account in den Highlights unter »BrotLatein«.

Bleibt Gesund,
eure Graziella ♥

ps. Fotos zu den einzelnen Steps folgen mit der Zeit 😉

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